Inhalt:

I. Chronik rechter Aktivitäten
II. NPD in Zwickau
III. »Freie Kräfte Zwickau«
IV. »The Last Resort Shop«
V. Rechtsrock: NSHC in Zwickau
- Rechtsrock im Allgemeinen
- NSHC in Zwickau
- Mehr zum Thema

V. Rechtsrock: NSHC in Zwickau

Rechtsrock im Allgemeinen

Seit Beginn der 1980er-Jahre wurden verschiedene Formen der Unterhaltungsmusik immer mehr als Vehikel für rechtsextremes und neonazistisches Gedankengut benutzt. Von wenigen Ausnahmen wie dem Liedermacher Frank Rennicke oder dem „National Socialist Black Metal“ (NSBM) abgesehen, fallen darunter Bands, die der Rockmusik zuzuordnen sind, weshalb sich als Oberbegriff „Rechtsrock“ eingebürgert hat. Im englischen Sprachraum ist hingegen der Begriff „RAC“ als Abkürzung für „Rock Against Communism“ gebräuchlicher.

Rechtsrock umfasst eine Fülle von Genres. Er vermittelt rechtsextremes, neonazistisches und rassistisches Gedankengut auf unterschiedliche Art und Weise. Hierbei fungiert der Rechtsrock als Mittel, Jugendliche für dieses Gedankengut zu öffnen und dauerhaft zu gewinnen. Der Kern sind die Texte, die sich oft mit simpler, geradliniger Reimform gegen Staatsorgane, Linke oder Ausländer richten und zum Widerstand gegen diese aufrufen, sowie Deutschland und seine NS-Vergangenheit glorifizieren.

Man sollte diese Musik keinesfalls als „Brüllmusik“ herunterspielen. Sie wird nicht ausschließlich, wie weitläufig angenommen, von technisch unbegabten Leuten gespielt. Produktionen verschiedener heutiger Rechtsrock-Bands sind professionell aufgenommen und kaum noch vergleichbar mit dem Rechtsrock der frühen 1980er- und 1990er-Jahre. Oft wird dem Hörer die wahre Gesinnung dieser Bands und deren Lieder kaum bewusst, weshalb diese Bands auch teilweise im unpolitischen Umfeld Fuß fassen. Vertrieben wird der Rechtsrock durch szeneeigene Labels, Mailorder, Fanzines und Magazine. Daneben wird er auch direkt bei Konzerten und Partys und über so genannte „Szeneläden“ vertrieben.

Das Vorkommen rechtsextremer Musik beschränkt sich nicht auf Deutschland. So gilt die britische Neonazi-Band Skrewdriver als Pionier des Rechtsrock. Ihr Sänger Ian Stuart war maßgeblich an der Gründung des „Blood-and-Honour“-Netzwerks beteiligt, dessen Ziel es ist, neonazistische Bands organisatorisch miteinander zu verknüpfen und zu fördern. Auch in Deutschland gibt es eine Division dieses Netzwerks, die trotz ihres Verbots im Jahr 2000 weiterhin aktiv ist. Trotz des extrem nationalistischen Charakters der einzelnen Bands ist die europäische Koordinierung der Szene äußerst intensiv.

Der »Last Resort Shop« gilt als Anlaufpunkt für Anhänger des Rechtsrock in Zwickau. Dessen Gründer wird die Nähe zum „Blood-and-Honour“-Netzwerk nachgesagt und wiederholt kam der Laden wegen der Verbreitung rechtsextremer Musik in die Schlagzeilen.

NSHC in Zwickau

Schon Ende der Neunziger Jahre wurde die „Good Night White Pride“-Kampagne von Menschen aus der Hardcore-Szene ins Leben gerufen, um gegen die steigende Präsenz von Nazis und Rassisten bei Konzerten vorzugehen. Heute erweisen sich die gemeinsamen musikalischen Vorlieben für Hardcore-Musik als entscheidendes Bindeglied in der rechten Szene Zwickaus.

Der Nazi-Hardcore hat sich in den späten 1990ern den Begriff der linksradikalen New Yorker Hardcore-Band SFA „Hatecore“ nutzbar gemacht. Der „White Power“-Musik wurde damit eine weitere Unterform hinzugefügt; die rechte Szene spricht bei der neonazistischen Strömung innerhalb des Hardcore vom „National Socialist-Hardcore“ oder „National Socialist-Hatecore“ (NSHC). Dabei setzen sie besonders auf das Hass-Image, das wegen ihres eigenen Hanges zur Gewalttätigkeit als authentisch gilt. Die Aggressivität von Hardcore-Musik wird sowohl von Neonazis als auch von alternativen Hörern geteilt. In der neonazistischen Szene ist „Hatecore“ indes zum Synonym für extremen Hass geworden, der mit einem starken Militanzfetisch einhergeht und sich gegen die bekannten Feindbilder richtet.

In Zwickau erweisen sich heute die gemeinsamen musikalischen Vorlieben für Hardcore-Musik als entscheidendes Bindeglied zwischen den lokalen und aus dem Süden Thüringens hinzugekommenen Nazis. Zentral sind hierbei die beiden NSHC-Bands „Moshpit“ (Sachsen) und „Eternal Bleeding“ aus Altenburg. Auch wenn beide Gruppen aus verschiedenen Regionen kommen, gibt es schon seit Jahren Überschneidungen in der Besetzung der Bands. Und während sie früher noch zusammen musizierten, helfen sie sich heute beim Aufbau rechtsradikaler Strukturen. Die Band „Eternal Bleeding“ trat wiederholt bei Veranstaltungen der rechtsextremen Szene auf; so zum Beispiel beim „Thüringentag“ der NPD am 20.05.2006 in Altenburg und diversen Nazikonzerten im gesamten Bundesgebiet.
Im Internet bewegen sich die Mitglieder der „Nationalen Sozialisten Zwickau“ stets unter Codes aus dem „NSHC“, seien es Bandnamen, Albumtitel oder dergleichen.
Auch der Kleidungsstil der „Autonomen Nationalisten“ ist stark an die Dresscodes der Hardcore-Szene angelehnt. Aber neben den T-Shirts nichtrechter Hardcore-Bands („Some Girls“, „Comeback Kid“, „Walls of Jericho“) sind mittlerweile auch „Palitücher“ beliebte Kleidungsstücke.

Quellen:
wikipedia, indymedia, Kooperationspartner

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heise: „Drogenfrei und deutsch dabei – Wie Rechtsextremisten versuchen, die Jugendkultur des Hardcore und Straight Edge zu unterwandern“