Künftig „brachiale“ Mode in bester Citylage?

„Aktionsgruppe gegen Nazis in jeder Stadt“ warnt vor neuem Shop an Innerer Plauenscher Straße – Chef des Mode-Labels sieht sich eher als „Biker“

Von Jens Eumann

Zwickau. Wird es in Zwickau bald einen „Nazianlaufpunkt“ in bester Citylage geben? Diese Frage wirft ein derzeit in der Stadt verteiltes Flugblatt einer „Aktionsgruppe Gegen Nazis in jeder Stadt“ auf. Hintergrund sind Pläne des Zwickauer Modelabels „Brachial“, das seinen Sitz bislang im Gewerbegebiet Maxhütte hat, in ein just leer gezogenes Geschäft an der Inneren Plauenschen Straße zu ziehen, in dem bis vor Wochen Kindermoden angeboten wurden. Namentlich outen sich die Autoren des Flugblatts nicht.

Der Vorsitzende des linksorientierten Vereins „Roter Baum“, René Hahn, schüttelt den Kopf: „Kennen wir nicht. Und auch der Fall war uns bisher noch gar nicht bekannt.“ Bekannt ist der Fall indes bereits bei der Stadt Zwickau, wenngleich Rathaussprecher Mathias Merz betont: „Uns liegen keine Erkenntnisse darüber vor, dass die Marke der rechten Szene angehört.“

Vor diesem Vorwurf verwahrt sich Brachial-Geschäftsführer Mario Hoffmann auch. Dass der Name des Labels mit dem einer Band aus der Oi-Punkszene übereinstimmt, sei reiner Zufall. „Wir kommen aus der Custombike-Szene, große Motoren, hohe Lenker, brachial eben“, sagt er. „Der Name klingt maskulin. Das ist gewollt, mehr nicht“, sagt Hoffmann. „Aber ich kann nicht ausschließen, dass irgendein Dummkopf in irgendeinem Fußballstadion mit unseren Sachen rumläuft“, so der Label-Chef.

Ausschließen könnte er allerdings, dass sein Label hauptsächlich in einschlägigen Läden wie etwa „Rascal“ oder „Backstreetnoise“ in Chemnitz oder einem weiteren in Pirna vertrieben wird, wo seine Shirts gleich neben einschlägigem Nazi-Chic von „Thor Steinar“ und der selbst ernannten „Viking“-Marke „Erik and sons“ auf der Stange hängen. Man bediene das Klientel aus der rechten Szene wohl mit, druckst Hoffmann, „aber wir fördern das nicht. Bei uns gibt es keine Runen und keine eindeutigen Zweideutigkeiten“, versichert er.

Als Marke, „die auch einen Kundenstamm unter rechtsextremen Käufern hat“, ist das Zwickauer Brachial-Label sogar beim sächsischen Landesamt für Verfassungsschutz bekannt, wie dessen Sprecher Alrik Bauer einräumt. Doch sei das Label nicht als zur Szene gehörig eingestuft, so Bauer. Das wäre der Fall, wenn es regelrechte Verflechtungen mit rechtsextremen Organisationen gäbe. „Und die sind für uns von besonderer Bedeutung“, sagt Bauer. „Es gibt daneben auch Marken, die von Rechten gern getragen werden, bei denen aber keine direkte Verbindung besteht, nennen wir sie missbrauchte Marken.“ Inwieweit solcher „Missbrauch“ in „gegenseitigem Einvernehmen“ vollzogen wird, diese Einschätzung traf der Verfassungsschützer nicht.

Der Privatvermieter des fraglichen Ladens in der Zwickauer City gab sich am Telefon zunächst erstaunt. Er sei gerade im Urlaub in Kroatien, sagte der Mann. Sämtliche Vertragsverhandlungen seien über Immobilienfirmen geführt worden, Hintergründe der neuen Mieter-Firma seien ihm unbekannt. Unterschrieben sei zwar noch nichts. Doch bevor er nicht Gelegenheit gehabt habe, den Sachverhalt selbst zu überprüfen, wolle er sich nicht weiter dazu äußern.

Quelle:
Freie Presse/ Zwickauer Zeitung/ Montag, 29.06.09/ Seite 13