Sonnige Tage locken rechtsextreme Gewalttäter ans Licht

Opferberatung macht drastischen Anstieg rechter Attacken innerhalb eines Monats aus – Stadt und Landkreis Zwickau besondere Brennpunkte

Von Jens Eumann

Zwickau. Ihr Angriff war vorbereitet, nicht spontan. In Kleintransportern kurvten Rechtsextreme am Maifeiertag um den Alten Gasometer, wo das „Stay-rebel“-Festival gegen Rechtsextremismus stattfand. Dann ging alles ganz schnell. Als des Nachts die aufgetretene Band ihre Sachen packte, sprangen mehrere Personen aus einem Auto und wurden handgreiflich, traten auch zu. Nach Informationen der Opferberatung Chemnitz war das einer von drei Übergriffen, die im Mai in der Stadt geschahen. Die Chemnitzer Beratungsstelle, die bezirksweit rechtsextreme Gewalttaten im Blick hat, macht Zwickau derzeit als Brennpunkt rechter Gewalt aus.

In der Stadt drei, im Landkreis machten die Opferhelfer sechs rechtsextreme Attacken aus, also fast die Hälfte aller 13 Delikte, die ihnen im Mai aus dem Bezirk Chemnitz bekannt wurden. Überhaupt seien rechte Gewalttäter wieder verstärkt in Erscheinung getreten, nachdem in den ersten Monaten des Jahres „erfreulicherweise ein Rückgang“ zu verzeichnen war, bilanziert Beraterin Juliane Wetendorf. „Liegt wohl am Wetter, da sind mehr Leute draußen. Außerdem geschahen die meisten Taten an Wochenenden oder Feiertagen, wo viele ihre Zeit draußen verbringen.“

In der Stadt nennt sie zwei weitere Begebenheiten: Jenen Angriff auf einen 35-jährigen Inder, der am Himmelfahrtstag an der Zentralhaltestelle von zwei Angreifern derart zusammengeschlagen wurde, dass er in die Klinik musste. Einen Täter konnte die Polizei stellen. Der andere Angriff, dem ein iranischer Migrant am 9. Mai in der Zwickauer Innenstadt zum Opfer fiel, sei der Polizei indes gar nicht bekannt geworden. Der Mann sei von einer offenbar rechtsextremen männlichen Person zunächst beschimpft und dann mit zwei Schlagringen bedroht worden, berichtet Wetendorf. „Aber er hat das bei der Polizei nicht angezeigt“, weiß die Beraterin. „Wir haben Kontakt zu vielen Opfern, die aus Enttäuschung, oder weil sie schon zu oft auch ganz alltäglichem Rassismus ausgesetzt waren, nichts mit Behörden zu tun haben wollen.“ Was Sie mit Alltagsrassismus meine? „Wenn jemand lobt: Du sprichst aber gut deutsch, mag das freundlich gemeint sein, aber zum einen ist das Du unpassend, zum anderen klingt es für einen Ausländer rassistisch, der seit Generationen hier lebt und für den Deutsch ja Muttersprache ist,“ beschreibt Wetendorf. Was Sie in solch einem Fall zu antworten rate? Sie überlegt: „Vielleicht: Danke, Sie aber auch.“

Grundsätzlich rate sie Opfern von Gewalttaten immer zur Anzeige. „Doch muss auch aus unserer Sicht Priorität haben, was der Betroffene für richtig hält. Eventuell haben sie ein Asylverfahren laufen und einfach genug vom Umgang mit Behörden“, schildert Wetendorf.

Polizeisprecher Oliver Wurdak versucht zu überzeugen: „Wir können nur Fällen nachgehen, von denen wir wissen.“ Er rät im Falle einer Straftat dazu, stets Anzeige zu erstatten, selbst, wenn er nicht in jedem Fall Erfolg bei der Ahndung versprechen könne.

Quelle:
Freie Presse/ Zwickauer Zeitung/ Montag, 22.06.09/ Seite 14