Antisemitismus heute: Ich hab‘ nichts gegen Juden, aber …

Vortrag von Petra Zais (Antonio-Amadeu-Stiftung)

Dienstag, 23.06.2009, 19:00 Uhr, Galerie am Domhof

Petra Zais ist Mitarbeiterin bei der Antonio-Amadeu-Stiftung, die sich dem Kampf gegen Antisemitismus verschrieben hat. Denn die Zahlen sind alarmierend: Seit 2001 sind antisemitische Grundhaltungen und antisemitisch motivierte Gewalttaten auf einem hohen Niveau.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, was man gegen Antisemitismus tun kann. Wie ist es möglich, auf zivilgesellschaftlicher Ebene präventiv zu arbeiten? Wie kann man die Wahrnehmung für das Problem stärken? Welche Gegenmaßnahmen sind notwendig?

Veranstaltungsort: Galerie am Domhof, Domhof 2, Zwickau
Veranstalter: Petra Zais, Antonio Amadeu Stiftung
Eintritt: frei

Quelle:
Bündnis für Demokratie und Toleranz in der Zwickauer Region/ www.zwickauer-demokratie-buendnis.de

Antisemitismus heute

Im Februar 2007 wurde der Kindergarten „Gan Israel“ in Berlin-Charlottenburg Opfer eines Brandanschlags. Die Täter schmierten SS-Runen auf das Spielzeug, auf die Fassade schrieben sie die Drohung „Auschwitz“ und andere antisemitische Slogans.
Anschläge auf jüdische Einrichtungen kommen immer wieder vor, genauso wie Beleidigungen und sogar körperliche Angriffe auf Jüdinnen und Juden in der Öffentlichkeit. Fast alltäglich sind antisemitische Schmierereien und Friedhofsschändungen. Der Bundesregierung zufolge hat es in den Jahren 2002 bis 2006 237 Schändungen jüdischer Friedhöfe gegeben. Das heißt, im Schnitt wird in Deutschland fast jede Woche ein jüdischer Friedhof beschmiert, zerstört, verwüstet.

Antisemitismus gibt es nicht nur in der rechten Szene, auch wenn der Antisemitismus dort eine wichtige Funktion als ideologisches Bindeglied zwischen den verschiedenen Richtungen hat. Antisemitismus ist gleichzeitig auch in der Mitte der Gesellschaft verankert und keine Frage des Bildungsniveaus.
Während klassisch antisemitische Vorstellungen leicht zurückgehen, nehmen neuere Formen des Antisemitismus zu. Dieser zeigt sich heute vor allem in Israelfeindlichkeit und der Forderung nach einem Schlussstrich unter die Erinnerung an den Holocaust, die auch als sekundärer Antisemitismus bezeichnet wird.

Antisemitische Israelfeindschaft äußert sich oft unter dem Deckmantel einer legitimen Kritik an der israelischen Regierungspolitik. Zwischen antisemitischer Israelkritik und legitimer Kritik der israelischen Regierungspolitik gibt es klare Unterscheidungsmerkmale. Wenn auf Demonstrationen zum Nahostkonflikt Israel und israelische Politiker als Kindermörder beschimpft werden, lebt das alte antisemitische Klischee, die Juden würden (christliche) Kinder für rituelle Zwecke ermorden, im antiisraelischen Gewand neu auf. So werden auf Israel als „kollektiver Jude“ antisemitische Stereotype projiziert.
Wenn Israel als „Viertes Reich“ bezeichnet wird, ihm ein „Vernichtungskrieg“ oder „Holocaust an den Palästinensern“ vorgeworfen wird, dann wird die Politik Israels mit der des Nationalsozialismus gleichgesetzt. Auch dies hat mit einer angemessenen politischen Diskussion nichts zu tun, sondern folgt einem antisemitischen Diskursmuster.

Oft wird angenommen, dass es Antisemitismus nach dem Holocaust nicht mehr gäbe. Tatsächlich haben sich neue Formen ausdifferenziert, die ebenso menschen- wie demokratiefeindlich sind. Die Amadeu Antonio Stiftung setzt sich dafür ein, diese Formen zu bekämpfen.

Quelle:
Amadeu Antonio Stiftung/ www.amadeu-antonio-stiftung.de