6 Monate Haft für Nazi-Gröler

Richter kennen bei Hetzliedern und verbotenen Grüßen keinen Spaß

Von Jens Eumann

Crimmitschau/Zwickau. Dass man ihn mit Kinderporno-Guckern auf eine Stufe stellte, passte Maik R. gar nicht. „Kinderpornos sind bösartig“, sagte der 19-jährige Crimmitschauer, der sich in dieser Woche mit zwei Kumpanen am Amtsgericht Zwickau verantworten musste – wohlgemerkt wegen eines anderen Delikts. Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen warf Staatsanwalt Jörg Rzehak dem Trio vor. Aber der vorsitzende Richter Stephan Zantke hatte Maik R. angesichts mangelnder Einsicht belehrt, dass er in Sachen Bösartigkeit keinen Unterschied mache zwischen Konsum von Kinderpornos und Gegröle zu indizierter Musik. „Wenn man Lieder singt, die davon handeln, dass man Menschen anderer Hautfarbe totschlagen soll, ist das genauso schlimm“, ohrfeigte Zantke verbal.

Und beim Mitgrölen indizierter Texte von Bands wie Kraftschlag, Stahlgewitter und anderen war es am 28. Oktober 2008 in Maik R.s Wohnung am Mannichswalder Platz in Crimmitschau nicht geblieben. Das Trio steigerte sich in promillebeflügelte Ekstase, die darin gipfelte, dass man ans Fenster trat, um einem längst vergangenen Führer in Wort und Geste Ehrfrucht zu bekunden. Sehr zum Unmut einer Menge mittäglicher Passanten, die draußen kopfschüttelnd stehen blieben. Ein Ehepaar erstattete Anzeige. Mehrere Zeugen belegten den Richtern in dieser Woche die Taten.

„Sind Sie leidenschaftlicher Anhänger Hitlers?“ fragte Zantke den Angeklagten Tommy P. „Nein“, beteuerte der 21-Jährige. Zum Motiv für die verbotenen Hitler-Grüße gefragt, fanden er, Maik R. und Angelo H. (19) nur im Bierkonsum eine Erklärung. „Manche Menschen trinken Alkohol und bleiben vernünftig“, andere machten sich „für einen Idioten mit Schnauzbart zum Esel“, kommentierte Zantke.

Doch konnte der schnoddrige Kommentar nicht darüber hinwegtäuschen, dass er und seine beiden Schöffen in Sachen Nazi-Kult keinen Spaß verstanden: Sie sprachen Bewährungsstrafen von einem Jahr für den 19-jährigen Maik R. und sechs Monaten für Angelo H. aus. Der 21-jährige Tommy P. bekam keine Bewährung mehr, sondern muss sechs Monate ins Gefängnis.

Quelle:
Freie Presse/ Zwickauer Zeitung/ Samstag, 09.05.09/ Seite 15