Kreistag Zwickau: Nach Ansicht der NPD gibt es zu wenig Ausländer

Von Bringfriede Sas

Am 27. August 2008 fand die konstituierende Sitzung des Kreistags Zwickau statt. Wie in anderen sächsischen Kreistagen auch, erhielten dabei NPD-Kreisräte bei geheimen Wahlen Stimmen von Kreisräten anderer Parteien. So bekamen bei der Wahl der Vertrauensleute für die Wahlausschüsse an den Amtsgerichten Hohenstein-Ernstthal und Zwickau NPD-Kreisrat Thomas Schüßler sechs Stimmen und NPD-Kreisrat Patrick Gentsch sogar neun Stimmen. Da nur drei NPD-Kreisräte anwesend waren, müssen für Thomas Schüßler also mindestens drei Kreisräte und für Patrick Gentsch mindestens sechs Kreisräte anderer Parteien gestimmt haben.

Die NPD stellte bei der Sitzung u. a. einen Antrag, die Anzahl der Beauftragten im Landkreis zu begrenzen. Dabei wurde insbesondere der Posten des Ausländerbeauftragten kritisiert. Keine wirkliche Überraschung, denn solche Forderungen hat die NPD auch schon andernorts gestellt. Verblüffung rief jedoch die Begründung hervor: Die NPD im Landkreis Zwickau ist nämlich der Ansicht, dass es hier einfach zu wenig Ausländer gibt. Und bei „einem Ausländeranteil von gerade mal 1,6 Prozent“ sei ein Ausländerbeauftragter ja schließlich überhaupt nicht notwendig. Diese Antragsbegründung wird den einen oder anderen Leser jetzt natürlich verwundern, kennt er doch bisher von der NPD nur die plumpen Hetzparolen von der „Überfremdung durch Ausländer“. Oder er erinnert sich vielleicht an die penetrante NPD-Propaganda von den vielen Ausländern, welche den Deutschen die Arbeitsplätze wegnehmen würden. Offenbar ist das in Zwickau aber alles gar nicht der Fall. ER Sachsen begrüßt es sehr, dass die NPD ihre ausländerfeindlichen Propagandaparolen schon selbst widerlegt.

Quelle: Endstation Rechts Sachsen am 02.09.2008