FP: Mahnwache wegen Gertrud Höhlers Vermietung an die NPD

Antifaschistischer Verein protestiert gegen Geschäft mit „braunen Mieten“ – Bei Kloses wird zu „Gedenktagen“ schon mal Reichsflagge gehisst

Zwickau. Wirtschaft und Politik stünden auf dem „Heuchler-Posten“, wetterte gestern Günter Weigel. „Geld stinkt nicht, man nimmt es von jedem, sogar von der NPD“, schalt der Mann vom Verband der Verfolgten des Nazi-Regimes. Die antifaschistische Vereinigung hatte zum gestrigen Jahrestag der Eröffnung des Zwickauer NPD-Bürgerbüros erneut eine Mahnwache einberufen, bei der man gegen die Vermietung der Räumlichkeiten durch die bekannte Unternehmensberaterin Gertrud Höhler protestierte.
Der Bundesverdienstkreuzträgerin und Ex-Beraterin von Altkanzler Helmut Kohl gehört das fragliche Eckhaus an der Stiftstraße. „Wie lebt man mit den braunen Mieten der NPD, Frau Höhler?“ Das fragten die Demonstranten gestern auf ihren Plakaten.
Der Zwickauer NPD-Landtagsabgeordnete Peter Klose gehört zu den Abgeordneten seiner Partei, die mitunter noch offen nazideutscher Vergangenheit huldigen. Ursprünglich hatte Klose sein Büro sogar zum Hitlergeburtstag am 20. April eröffnen wollen, allerdings wurde er parteiintern zurückgepfiffen. Statt dessen wählte er zur Eröffnung den Tag der deutschen Kapitulation im zweiten Weltkrieg. Privat hängt bei Kloses zu „Gedenktagen“ auch schon mal die Reichsflagge aus dem Fenster an der Talstraße.
Die Mahnwache fand gestern nicht direkt vorm betroffenen Mietshaus statt, sondern etwas abseits an der Bahnhofstraße. „Wir haben mit der Polizei besprochen, dass es dort zu provokativ wäre“, so Weigel. (eu)

Quelle:
Freie Presse/ Zwickauer Zeitung/ Freitag, 09. Mai 2008/ Seite 13


Zwickau kurz vor 12: Politasyl für die NPD


Um 11.59 Uhr ging gestern die Mail ein, in der der Leiter des Zwickauer NPD-Büros Jahresbilanz zog. Er verwies auf zehntausende verteilte Flugblätter und Schriften. Noch vor Wochen hatte der Mann einem Gerichtsprozess gegen einen Rechtsradikalen beigewohnt, den man für Fußtritte gegen einen Polizisten verurteilte. Unter Protest des Büroleiters, der über „Verfolgung nationalen Gedankenguts“ in Deutschland schimpfte. Man habe sich schon an andere Staaten gewandt. Vom Iran gebe es gar Asylangebote, so der NPDler. Entgeistert schwieg er auf die Rückfrage, warum er es nicht annehme? Ob es dran liegt, dass Flugblattverteiler heute in Deutschland den Kopf behalten dürfen, anders als einst Hans und Sophie Scholl? Jens Eumann

Quelle:
Freie Presse/ Zwickauer Zeitung/ Freitag, 09. Mai 2008/ Seite 16