indymedia: ANs und „Freies Netz“ in Sachsen

Hier eine Zusammenfassung und ein kurzer Geschichtsabriss von Nazistrukturen in Sachsen, besonders Zwickau/Westsachsen. Bitte Ergänzen!
Von Autonomous Antifascists am 05.03.2008 18:18 auf de.indymedia.org

Nazistrukturen in Westsachsen

Das “Freie Netz“

Wie mensch als interessierter Indyleser in den letzten Monaten bemerkt haben sollte, wird Sachsen, besonders der westliche Teil (Zwickau, Meerane) sowie auch der erzgebirgische Landkreis immer mehr zur Spielwiese sogenannter „Autonomer Nationalisten“ und „Nationaler Sozialisten“, kurz „Freie Kräfte“. Ihre Aktionsberichte über ihren „kreativen Widerstand“ gegen den Kapitalismus und „Linksfaschismus“ posten sie im Internet auf den Seiten des „Freien Netzes“. Das „Freie Netz“ bündelt die nationalen Aktivitäten aus Zwickau, Altenburg, Chemnitz, Delitzsch, Burg, Merseburg, Hof und Leipzig. Besonders aktiv scheinen hier Zwickau, Altenburg/Leipzig und Chemnitz zu sein. Über Zwickau werden ebenfalls die vogtländischen Nazis („Freies Vogtland“) ins Boot gezogen. Chemnitz unterhält sehr gute Kontakte ins braune Mittweida sowie nach Schneeberg (Indy-artikel zu Schneeberg: de.indymedia.org/2008/02/208408.shtml) und Leipzig hängt sich an die „Freien Kräfte Borna“ und ihrem „Gedächtnisstätte-Verein“ (Indy-artikel zu Borna: de.indymedia.org/2007/03/172149.shtml). Ins Leben gerufen wurde das „Freie Netz“ von Thomas Gerlach aus Altenburg (de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Gerlach).

Der Hauptaugenmerk Zwickau

Um die heutige braune Situation in Zwickau zu verstehen, muss mensch bis Anfang der 90er Jahre zurück blicken. Die Mauer war gefallen und die existierenden ostdeutschen Naziverbindungen konnten nun offiziell agieren. Auch in Zwickau formierten sich die Nazis, namentlich wie üblich in der NPD unter der Führung des Landtagsabgeordneten Peter Klose. Bis heute existieren diese parteilichen Strukturen, welche sich ab und an ans Licht der Welt befördern . Mensch denke da an alljährliche Kranzniederlegungen der Toten zu „Ehren“ am Zentralfriedhof, Kameradschaftsabende mit dem nicht unbekannten Nazi-Liedermacher Frank Rennicke, Kundgebungen unter dem Motto „Arbeiten Antifabanden und Staatsanwaltschaft zusammen?“ (durchgeführt nachdem das „Schöner Leben ohne Naziläden“-Bündnis kurzerhand den Naziladen „Ragnarök“ in Reichenbach zugemauert hatte) , erfolglose Teilnahme an den ersten Anti-Harz 4 –Montagsdemos und die Mitorganisation der Demo gegen Stadtumstrukturierung am 22.09.2007 (als Höhepunkt der Aktivitäten) mit einer Teilnahme von 350 Nazis.

Doch nicht nur parteilich organisierten und organisieren sich die Nasen in Zwickau. 2002 gründete sich die „Kameradschaft Sachsenwacht“ , welche ein Jahr später mit der „Kameradschaft Schwarze Sonne Westsachsen“ aus dem Vorderchemnitzer Land fusionierte. Dieser 60/70 Mann starke Verband organisierte Fahrten zum Trauermarsch nach Dresden, Konzerte und Kameradschaftsabende in einer Fabrikhalle im nahe gelegenen Mülsen St. Jakob mit Bands wie „Endstufe“ oder „Blitzkrieg“ oder im 13Km entfernten Lichtenstein mit den Naziliedermachern „ Michael und Annett“. Die „KS Sachsenwacht“ unterhielt sehr gute Kontakte zur verbotenen und jetzt nicht mehr existierenden Kameradschaft „Glauchauer Jungs“. Dennoch lösten sich die „Sachsenwächter“ schon bald wieder auf . Einzelne Mitglieder zogen aus den kleineren Städten in nächst größere Chemnitz oder zogen sich ins Familienleben zurück (oder gingen in den Knast) . Das Gedankengut blieb bestehen, jedoch nicht organisiert. Vereinzelt traten noch Anzeichen von Aktivitäten auf, z.b. vor zwei Jahren, als mehr als 400 Nasen ein Nazikonzert im zu Lichtenstein benachbarten Hohenstein-Ernstthal besuchten ( organisiert vom mittlerweile verstorbenen HooNaRa-Führer Rico Malt; mit Bands wie „Blitzkrieg“ und „Final War“).

Warum Zwickau attraktiv für Neonazis ist?

Nun, seit Jahren existieren mehrere Anlaufpunkte für sie. So zum Beispiel der „Streetwear“-Laden „The Last Resort Shop“ in der Kreisigstr., welcher zur Eröffnung neben extrem rechten CDs auch Thor Steinar und T-Shirts von Skrewdriver, Landser etc. vertreibt. Heute finden sich „nur“ Thor Steinar- Artikel und diverse andere beliebte Marken, wie Erik&Sons im Sortiment. Mit von der Partie ist auch der „Heaven & Hell“-Shop, welcher den „gemässigten“ rechten Lifestyle verkauft (neben „Alpha Industries“, „Hooligan“ und „Brachial“ auch Zeug von „Pro Violence“), eben wohl eher der Laden für den Kategorie C-Hörenden FSV-Zwickau-Hooligan. Wichtig hierbei, dass beide Läden von ein und der selben Person geschaffen wurde, namentlich Ralf „Manole“ M. (ehemals Sänger der Naziband „Westsachsengesochs“), welcher nun ausgewandert ist und sich durch persönliche Intrigen in der Zwickauer Naziszene kein guten Ruf gemacht hat. Der neue Geschäftsführer des „Last Resort Shops“ ist Eric L.
Ein weiterer wichtiger Anlaufpunkt für Nazis und Nazi-Hools ist der FSV Zwickau, dem die „unpolitische“ Ultra-Gruppierung „Red Kaos“ unterstellt ist (Fussballfreundschaft zu Dynamo Dresden). Mensch kann nicht behaupten, dass der Verein an sich rechts ist, doch da die Mehrheit der Zwickauer Jugendlichen eher unpolitisch bis rechtsoffen ist und dem Verein lokalpatriotisch zur Seite steht kann sich jeder das Bild ausmalen: Thor Steinar als Modemarke und Kategorie C als Fussballmusik. So lässt sich vielleicht der Grundtenor vieler Jugendlicher beschreiben.
Soweit zur Basis und zur allgemeinen kleinstädtischen Situation Zwickaus. Genau der Nährboden, auf dem sich das „Freie Netz Zwickau“ stützt.

“Nationale Sozialisten Zwickau“

Für jeden sichtbar hat es angefangen, als Nazis das Video und die zugehörige Seite der „Jugendoffensive“ ins Netz stellten. Völlig parteilos ,also auf dem Prinzip der „Freien Kräfte“ basierend wurde zum Aktivismus aufgerufen („Werde Aktiv!“). Es folgten Taten, wie das Verteilen von Flyern, Schnipsel-aktionen (mehrere hundert kleine Schnipsel mit Losungen wie „Nationaler Sozialismus Jetzt“ oder „Nationaler Sozialismus ist machbar Herr Nachbar“ wurden an verschieden Stellen wie Einkaufspassagen oder Bahnhöfen in vielen Gegenden Sachsens durch die Luft geschmissen), Tranpi-und Sprühaktionen (z.B. zu den Rudolf Hess-Aktionswochen) oder Spontandemonstrationen.

In Zwickau wurde fast zeitgleich das „Freie Netz“ (nicht nur im Internet) aktiv. Alexander S und Daniel P machten sich hierbei als Vorreiter und jetzt als führende Köpfe aus. Alexander S, welcher in der Nazi-Hardcore-Band „Eternal Bleeding“ Gitarre spielt, organierte mit Hilfe von Peter Klose (NPD Zwickau) den Aufmarsch am 22.09.2007 in Zwickau (350 Teilnehmer;50 Antifas+Gewerkschaftler). Er und Daniel P hosten die Homepage des „Freien Netzes Zwickau“, schreiben die Aktionsberichte und unterhalten beste Kontakte zu Thomas G in Altenburg. Somit ist auch die bewusste Teilnahme altenburger Neonazis an Aktionen nicht verwunderlich.

Seit nun 10 Wochen fahren die Zwickauer „Autonomen Nationalisten“ ein bisher recht störungsfreies Konzept, nämlich die Teilnahme an den Anti-Hartz 4 Montagsdemos, welche unter Führung des DGB-Zagermann in die 171 Runde geht. Die Original-Kundgebung beinhaltete zahlenmässig vielleicht 10 Teilnemer. Die Nationalen Sozialisten konnten beim ersten mal zur 160. Montagsdemo ca. 50 Teilnehmer spontan mobilisieren. Die ersten Wochen konnten sie ungestört Flyer verteilen und Transparente verteilen. Erst seit den letzten 5 Wochen regt sich ein wenig Widerstand. Die Bullenpräsenz nimmt zu, da sich auch ca. 30 Antifaschisten jeden Montag sammeln. Bis zu diesem Zeitpunkt konnten jene neuen Black-Block-Nazis sogar Spontandemonstrationen durch Zwickau durchführen. Ergo: Es kam zu Hausdurchsuchungen bei 2 Nazis des „Freien Netzes“-Dunstkreises sowie einer weiteren bei Peter Kloses NPD-Büro in der Talstraße. Dennoch treffen sich die Nazis weiterhin Montags vor den Arcaden in Zwickau um bei der Montagdemo, wenn auch ein wenig abseits und von Bullen umstellt, teilzunehmen.

Aber auch auswärts kann mensch die Nasen aus Zwickau begaffen. So z.B. zur letzten Demo in Plauen, wo auch Daniel P das Mikrofon ergriff oder die Spontandemonstration in Schneeberg gegen „kriminelle Ausländer“, auf der von Leipzig-Reudnitzer Nasen organisierten Demo in Leipzig oder der Nazidemo am 1. Dezember in Berlin für mehr „nationale Jugendzentren“.

Es ist wichtig sich solch rechten Hegemonien wie in Zwickau entgegenzustellen. Gerade Glauchau oder Plauen hat es geschafft den Nazis zu zeigen, dass es für sie schwer ist ihre national befreite Zone, d.h. No-Go-Area für Antifas und andere freidenkende Menschen durchzusetzen. Zwickau hat leider keine organisierte Antifa und braucht gerade in diesen Tagen Unterstützung von ausserhalb.
Deshalb, achtet auf Ankündigungen, unterstützt die Antifaschisten in Zwickau die nächsten Montage und zeigt, dass Zwickau noch nicht verloren ist!

ALERTA ANTIFASCISTA

PS.: Schaut doch mal bei zwigge.de vorbei, da könnt ihr euch die Nasen detailliert anschauen und vielleicht beim nächsten Hardcore-Konzert vielleicht rausschmeissen :)

Quelle:
de.indymedia.org am 11.03.2008