indymedia: Nazistruktuen in Westsachsen

Seit mehreren Jahren existieren feste Nazi-Strukturen in Westsachsen. Anlässig des wahrscheinlich stattfindenden Naziaufmarsch („Nationale Sozialisten“) am Samstag den 22.09.07, gibt es nun hier einen groben Überblick über Neonazistische Strukturen in Westsachsen, besonders Lichtenstein und Zwickau, und deren Gefahr. Wir hoffen, den etwas sperrlichen Widerstand dagegen einweng zu aktivieren. Denn: ES GIBT KEIN RUHIGES HINTERLAND !

Von Anarko Antifa Recherche Team Westsachsen

Am Samstag den 22.September 2007 wollen Neonazis aus dem Umfeld des „Freien Netzes“ (Sammelbecken für sogenannte “Nationale Sozialisten“ oder auch „Autonome Nationalisten“) in Zwickau marschieren. Ihr Motto: „Globalisierung und Privatisierung stoppen ! Kein Ausverkauf an unserem Staatseigentum!“. Angemeldet wurden ist das ganze vom Zwickauer NPD-Vorsitzenden Peter Klose in Kooperation mit dem „Freien Netz Zwickau“, für das sich Daniel Peschek (tel.: 01628404392) verantwortlich fühlt. Die Nazidemo ist für 300 Birnen angemeldet und soll voraussichtlich 10:30 Uhr am Hauptbahnhof starten.
Bis jetzt stellen sich die Zwickauer Behörden und Parteien(CDU) quer und konnten auf regionaler Ebene ein Verbot durchsetzen, was jedoch ( unglücklicher ) sehr schwammig wirkt ( OBM Zwickau Herr Vettermann:“… die vorliegenden Erkenntnisse zum Versammlungsleiter wie auch Anmelder lassen darauf schließen, dass sich an der geplanten Veranstaltung überwiegend Rechtsextremisten beteiligen werden.“ ), wodurch eine Aufhebung des Verbots durch nächsthöhere Instanz gut möglich scheint. Der Anmelder ist bis jetzt noch nicht auf jene höhere richterliche Instanz gegangen, d.h. die Nazidemo bleibt verboten.
Sollten die Nazis ihre Demo durchbekommen so wird es in Zwickau auch antifaschistische Gegenaktivitäten geben: Treffpunkt 10 Uhr am selbigen Tag am Hauptbahnhof.

NPD in Zwickau

Seit Mitte der Neunziger Jahre gibt es den NPD Kreisverband Zwickau unter Vorsitz von Peter Klose, welcher auch seit 2006 im Landtag sitzt.
Die Mitgliederzahl der NPD Zwickau wird auf ca. 30-40 aktive Mitglieder geschätzt, darunter viele ältere Bürger und auch Christian Bärthel aus Ronneburg, ehemaliger Vorsitzender der „Deutschen Partei“ und jetzt Schriftführer der NPD Zwickau.
Am 08. Mai 2007 eröffnete ebenfalls das NPD-Bürgerbüro in der Stiftstrasse, woraus ein Skandal entstand, da die Räume von der ehemaligen Beraterin Helmut Kohls und ehemaligen Vorstandssprecherin der Deutschen Bank Gertrud Höhler, vermietet wurden.
Seit der Entstehung der NPD in Zwickau fanden regelmäßig Kranzniederlegungen, Infostände und Kameradenabende, unter anderem mit Frank Rennicke, statt. Die NPD vor Ort versuchte auch schon letztes Jahr eine Demonstration für den erstochenen Glauchauer Nazi Enrico Winkler und dieses Jahr im Rahmen der „Rudolf-Hess-Wochen“ am 18. August einen Gedenkmarsch durchzuführen, was jedoch durch ein Verbot scheiterte. Im Mai letzten Jahres fand ebenfalls eine Kundgebung in Zwickau statt, welche sich gegen die „kriminelle Antifa“ richtete. Auslöser und Hauptaugenmerke waren die „vom Staat und Justiz unterstützten Antifa-Kaffeefahrten“ im Rahmen der „Schöner Leben ohne Naziläden!“-Kampagne. Die Neonazis solidarisierten sich durch diese Veranstaltung (lächerliche Teilnehmerzahl von 20) mit den Besitzern des Naziladens „Ragnarök“ in Mylau/Vogtland, welchen „böse“ Antifas während ihrer Kaffeefahrt kurzerhand zugemauert haben( siehe stoppnazilaeden.de.vu).

Auswertend kann nur gesagt werden, dass sich die NPD in Zwickau (wie schon so oft) sehr bürgernah gibt, quasi die Partei für den „kleinen Mann“, was zumindest in Zwickau sehr gut aufgeht. Es gibt kaum bürgerlichen Aufstand. Die Parteien jedoch stellen sich klar gegen die NPD und deren Machenschaften. Gut für rein rechtlich relevante Verbotsbeschlüsse, schlecht da es Parteien sind, welche sich dadurch nur profilieren wollen. Schlecht auch, dass Zwickau, sowie Westsachsen im Allgemeinen nur über sporadische autonome antifaschistische Strukturen besitzt (nächste Antifa ist 20 Km entfernt). Zwickauer Jugendliche können dadurch leicht geködert werden.

Kameradschaften und Freie Nationalisten in Zwickau und Umgebung (Westsachsen)

2001/2002 gründete sich die „Kameradschaft Schwarze Sonne Westsachsen“, welche allein in ihrer Gründungszeit im von Zwickau 13 Km entfernten Lichtenstein eine Teilnehmerzahl von 20 Schlägern betrug. Alterdurchschnitt von 15 bis 25 Jahren und äußerst schnelles Mobilisierungspotential. Politisch-intellektuell betrachtet schwach bis komplett gescheitert, jedoch enorm brutal. Kader jener Kameradschaft war der Lichtensteiner Martin Leibensberger, welcher sehr gute Kontakte zu der verbotenen Kameradschaft „Glauchauer Jungs“ oder anderen Nazis nach Chemnitz(HooNaraRa), Zwickau, Hof, Plauen(Kameradschaft „Alcoholocaust“),Meerane, Stollberg und denen der umliegenden Dörfern Glauchau/Lichtensteins pflegte. Aktiv wurde jene Kameradschaft beim Verteilen von NPD-Broschüren(sowie das Verteilen von „8.Mai –Tag der Befreiung?“-Flyern auf regionaler Ebene), Aufhängen von NPD-Plakaten, Anbringen von flächendeckenden Aufklebern aber auch durch die Organisation von Kameradschaftsabenden, Sonnenwendfeiern (in Zwickau), Nazikonzerten (in Lichtenstein mit „Michael und Annett“-Liedermacher).Gerade in Lichtenstein war es schwer als Antifaschist allein abends auf die Straße zu gehen, da sich im kompletten Stadtgebiet Treffpunkte von Neonazis befanden („Unionhof“-Disko, Nazikneipe „Frechdachs“, Hooligan-Treff „Roxy“ und „Weiberzorn“- jene wurden besonders am Wochenende von auswärtigen Nazis aus Hohndorf und Stollberg frequentiert). Schon oft wurde auch das Jugendzentrum “Riot“ Angriffsziel jener Nazis.
2003 formierte sich dann in Zwickau die „Kameradschaft Sachsenwacht“, welcher ca. 15 Personen angehörten. Gemeinsam mit Lichtensteiner Nazis organisierten sie Ausflüge und Treffen. Das Größte dieser Art war 2003 in einer privaten Lagerhalle in Mülsen St. Jakob, einem Dorf zwischen Zwickau und Lichtenstein, bei dem NPD-Redner auftraten und Neonazibands spielten.
2004 vereinten sich die KS „Schwarze Sonne Westsachsen“ und KS „Sachsenwacht“ zur KS „Sachsenwacht“. Im selbigen Jahr, nachdem man gemeinsamen Aufmärschen, wie dem 13. Februar in Dresden beiwohnte, stiegen immer mehr Mitglieder aus. Teils zogen sie weg (wie Martin Leibensberger) oder zerstritten sich. Beide Kameradschaften bekamen keine Zulauf und existieren in den Formen (glücklicherweise) nicht mehr.
Auch die gewalttätige Glauchauer Kameradschaft „Glauchauer Jungs“ existiert seit Jahren nicht mehr, einerseits, weil sie verboten wurde(was ja bekanntlich eigentlich nichts nützt) anderseits weil viele aktive Mitglieder in den Knast eingefahren sind. Aber auch der autonome antifaschistische Widerstand wird immer mehr, was gerade in der Region sehr selten ist.

Wichtig wäre noch die Rolle der Meeraner Nazistrukturen. Meerane galt viele Jahre als NO-Go-Area für alternative Jugendliche. Es besitzt bis heute feste rechte, bürgerliche Strukturen, welche ihre Ausbrut spätestens zum „Deutsche Stimme“ Pressefest 2003 mit einer Teilnehmerzahl von ca. 3000 Personen präsentierte. Bis heute existiert das NPD-Bürgerbürö unter Leitung der NPD-Abgeordneten Gitta Schüßler. Ausserdem gründete sich die nicht mehr aktive Naziband „Bomber“ in Meerane.
In den letzten Jahren bis heute erfolgten viele Anschläge gegen vermeintliche politische Gegner. Oft heimgesuchtes Opfer: ehemaliger PDS – Abgeordnter und antifaschistischer Sprecher Uwe Adamczyk. In der Nacht zum 16. September 2006 versuchten Neonazis sein Haus anzuzünden, in dem sie ein brennendes Moped in die vorher aufgeknackte Garage schoben.
Die Bürger Meeranes sehen meistens weg, oder sind selbst rechtsoffen, was es den Nazis vor Ort einfach macht, selbst in nicht festen Zusammenschlüssen, wie eine Kameradschaft eine ist, zu agieren.
Zurzeit wird Meerane nicht mehr als No-Go-Area eingeschätzt. Es gibt einen alternativen Jugendclub, der bisher noch nicht angegriffen wurde. Ebenfalls versuchen Antifaschisten aus dem Umland, beispielsweise durch Kundgebungen, wie 2006 eine stattfand, dem braunen Terror entschlossen entgegen zu treten.

Wo Nazis schick einkaufen gehen?

Vorrangig wohl in Zwickau, bei dem 36 jährigen Ralf Marschner aka. „Manole“. Er besitzt seit gut 8 Jahren den „Last Resort Shop“, wo er seine Kunden mit Thor Steinar-Lifestyle, CDs rechtsextremer Bands und anderem Merchandise eindeckt. Bewusst setzt er sich als unpolitischen aber dennoch patriotischen Hooligan in Szene. Was die wenigsten wissen: er sang in der aus Blood & Honour-Umfeld stammenden Band „Westsachsengesochs“ und hatte Teil an der Produktion und am Vertrieb der verbotenen Landser-CD „Ran an den Feind“. Er besitzt ebenfalls ein weiteres Geschäft namens „Heaven & Hell“, in dem er von größtenteils Hooligan-Artikeln bis Rockabilly-Klamotten Geld macht. Das „Heaven & Hell“
verkauft jedoch keine offensichtlichen Nazimarken wie Thor Steinar.
Marschner besitz eebnfals noch das „Restaurant“ „White Trash“, welches unter der Flagge der Südstaaten fettige Steaks und Burger servierte.
Er wird aber dennoch nicht als Kader eingeschätzt.

Derzeitige aktive Strukturen

Gerade in Zwickau formiert sich eine neue, jüngere Generation Nazis, die sogenannten „Autonomen Nationalisten“. Namentlich bekannt ist hier der Schaffer des „Feien Netzes Zwickau“ Daniel Peschek, Mitorganisator der Demo am 22. September 2007.
Gemeinsam mit anderen aus diesem Umfeld versuchten sie in den „Rudolf-Hess-Aktionswochen“ die bekannten Propagandaplakate in Zwickau aufzuhängen, was jedoch durch die Polizei verhindert wurden konnte. Sie pflegen gute Kontakte nach Altenburg, wo sie am 17. August 2007, nachdem der Aufzug in Zwickau verboten wurde, beim „Rudolf Hess-Gedenkmarsch“ mitmarschierten.

Überblickend sind die Nazistrukturen auf die Dörfer verlagert und sporadisch aktiv. Es gibt keine direkten Zusammenschlüsse Neonazis, sei es in Form einer Kameradschaft(ausgenommen der NPD oder schon oben genannten „Jugendoffensive“). Es wird auf das Konzept des „Freien Widerstandes“ gesetzt.

In diesem Sinne,
Den Nazis am Wochenende in Zwickau und im Alltag Probleme bereiten !
Es gibt kein ruhiges Hinterland !

Anarchistische Autonome Antifa Westsachsen

Quelle:
de.indymedia.org/2007/09/194749.shtml am 20.09.2007