Gertrud Höhler wusste Bescheid / Publizistin hüllt sich weiter in Schweigen

Von Jutta Steinmetz

Paderborn. Am 8. Mai 2007, also 62 Jahre nachdem Deutschland vom Faschismus befreit worden war, eröffnete das sächsische NPD-Mitglied Peter Klose im Zwickauer Wohn- und Geschäftshaus von Gertrud Höhler sein Bürgerbüro. Allerdings nicht in völliger Unkenntnis seiner prominenten Vermieterin.

Denn Höhler war durchaus bekannt, wer da künftig unter ihrem Dach agieren würde. Das jedenfalls teilte gestern ihr Hausverwalter auf Anfrage der Neuen Westfälischen mit.

„Frau Höhler hat, als sie den Mietvertrag unterschrieb gewusst, dass Peter Klose Landtagsabgeordneter der NPD ist und in den Räumlichkeiten sein Bürgerbüro eröffnen will“, erklärte Martin Winkler von der Haus- und Grundstücksverwaltung in Zwickau. Seit 13 Jahren schon verwaltet er das Höhler’sche Wohn- und Geschäftshaus in der Stiftstraße. Keinesfalls jedoch sei die Publizistin mit der NPD in Verbindung zu bringen, betonte Winkler. Aber die Büroräume des Hauses in der Bahnhofsvorstadt Zwickaus hätten jahrelang nicht vermietet werden können. Als dann ein Makler für die NPD bei der Hausverwaltung vorsprach, „da hat sie sich verführen lassen“, sagte Martin Winkler. „Aus wirtschaftlichen Gründen.“

Sicher seien in dem Mietvertrag, der seit 15. April 2007 läuft, Sicherheitsklauseln eingebaut worden, die eben beispielsweise Treffen von Kameradschaften klar untersagen. Doch „Frau Professor“, wie Winkler seine Kundin nennt, habe die Situation „politisch unterschätzt“.

Jetzt versuche die Politik- und Unternehmensberaterin, „aus diesem Dilemma wieder herauszukommen“. Aber das sei rechtlich gar nicht so einfach. „Es ist eine verfahrene Kiste.“

Aber eines macht dem Immobilienexperten wohl doch ein bisschen zu schaffen. „Frau Höhler hat nie öffentlich Stellung bezogen“, erzählte er gestern. Auch nicht, als in Zwickau bei der Eröffnung des Klose’schen NPD-Bürgerbüros am 8. Mai die Protestwogen entsetzter Bürger hochschlugen, die Aufregung in der Öffentlichkeit groß war und sogar Eier und Tomaten flogen. „So richtig wehren will sie sich nicht, weil sie weiß, dass sie einen Fehler gemacht hat“, bilanzierte Winkler nachdenklich.

Ein Verhalten, das das frisch gewählte Mitglied des Paderborner Hochschulrates auch jetzt noch bevorzugt. Weder telefonisch noch via Fax war Gertrud Höhler gestern für eine Stellungnahme zu erreichen.

Quelle:
Paderborner Kreiszeitung / Neue Westfälische vom 15.06.2007